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60 Jahre St. Pius

Wohin gehst Du, Pius?

Wohin gehst Du, Pius?

„Ich bin hier, um Sie zu gratulieren“, eröffnete der Kabarettist Udo Reineke den geselligen Abend im Zuge des 60. Geburtstag der St.-Pius-Gemeinde Wiedenbrück. Der in der Warburger Börde beheimatete ostwestfälische Kirchenexperte meinte, dass St. Pius eine Diözesan-Mustergemeinde sei, weil man sich Gedanken um die Zukunft mache und es hier ganze Familien geben, die sich ehrenamtlich engagieren. „Wo gibt`s denn sowas noch, außer hier“, meinte er anerkennend nickend in seiner westfälisch platten Art. Die Pastöre machen schon überall Village-Jumping und wer sterben möchte, melde das mal besser vorher an, denn ob ein Pastor in der Zeit gerade einen Termin für eine Beerdigung frei hat, sei immer so`ne Sache. Die jungen Leute, die ja augenscheinlich als vermisst gelten, sobald es nach Ehrenamt riecht, seien da. „Mensch Leute, die sind nur im Netz unterwegs, da müsst ihr mal woanders suchen als in der Kirche und mal bei Facebook und Co. gucken“, meinte er humorvoll. Eines sei jedoch klar:„ Es kann nicht alles so bleiben wie es war, auch Landbewohner brauchen neue Impulse.“ Und diese neuen Ideen, die im Leitfaden Zukunftsbild stehen, brachte die ehemalige Gemeindereferentin Kathrin Speckenheuer, die heute im Generalvikariat in Paderborn sitzt, den Gästen im Piussaal näher. Im Mittelpunkt des Zukunftsbildes stehe der Gedanke Charismen zu entdecken. Das sei nicht einfach, weil Charismen sich gerne verstecken. „Wenn jemand gerne grillt heißt das noch lange nicht, dass er ab sofort auf jedem Fest die Bratwürstchen umdrehen möchte. Vielleicht kann so jemand mal ein Grillseminar für junge Leute geben und so seine Leidenschaft fürs Grillen einbringen“, gab sie als Beispiel an. Es sei zudem falsch Erfolg am Ziel zu messen, sondern besser unterwegs mal zu schauen was passiert. 45 Prozent der Deutschen seien ehrenamtlich engagiert und viele im Alter zwischen 30 und 50 Jahren würden ein geeignetes Ehrenamt für sich suchen. „Wir müssen nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und die Menschen abholen, dann klappt das auch mit der Kirche“, ist sich Speckenheuer sicher. Sie hat im Rahmen ihrer Tätigkeit in Paderborn einen Kühlschrank entwickelt, der die Situation der unterschiedlichen Charismen verdeutlichen soll. Sie holte als Beispiel eine Flasche Sprühsahne aus dem Kühlschrank und fragte: Was ist denn das Sahnehäubchen in meinem Leben“, oder meinte, dass es besser sei beim Überraschungsei erst einmal die Schokoladenseite abzulegen und mal ein Stück weiter in den Kern zu schauen. „Dass, was Gott in uns hineingelegt hat, unsere Talente, dass ist Kirche“, betonte sie. Aufpassen müsse man, dass nicht das Tannenbaum-Prinzip entstehe. Ehrenamtliche die eh schon aktiv sind, werden immer wieder mit neuen zusätzlichen Aufgaben belastet bis die Zweige schließlich abbrechen. „Wir alle müssen die anstehenden Aufgaben, die insbesondere im Bereich Kirche in den nächsten Jahren deutlich mehr werden, auf viele Schultern je nach Talenten verteilen“, so die Referentin. Sie wünschte Pius, dass dort Talente entdeckt und gefördert werden.

W. LeskovsekFoto: Kathrin Speckenheuer und der Landsatiriker Udo Reinecke gestalteten einen humorvollen Abend bei St. Pius zum Thema „Wohin gehst Du, Pius?“