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Beerdigungsdienst erfährt Veränderung

Erzbischof Hans-Josef Becker beauftragt Ehrenamtliche

(wl). „Tote begraben“ und „Trauernde trösten“ gehören zu den Werken der Barmherzigkeit, zu denen grundsätzlich jeder Getaufte berufen ist. Erzbischof Hans-Josef Becker wünscht sich für das Erzbistum Paderborn neben Gemeindereferenten ausdrücklich auch Gläubige außerhalb der pastoralen Berufe und beauftragt sie als Ehrenamtliche für den kirchlichen Begräbnisdienst.

Die 29-jährige Gemeindereferentin Eva-Maria Dierkes aus dem pastoralen Gütersloh hat für sich persönlich in einem Praktikum bei einem Bestattungsinstitut festgestellt, dass sie sich berufen fühlt, Angehörige von Verstorbenen zu begleiten und Beerdigungen vorzunehmen. Die 29-Jährige ist als erste Laiin vom Erzbistum Paderborn mit dem Begräbnisdienst im pastoralen Raum Gütersloh beauftragt worden, obgleich sie erst im Juni ihren runden Geburtstag feiert. Das Mindestalter für diesen Dienst beträgt 30 Jahre. Acht Beerdigungen hat sie bereits alleine durchgeführt und sie weiß jetzt genau, wofür ihr Herz schlägt. Ihre Mentorin war Claudia Becker, Gemeindereferentin aus dem pastoralen Raum Reckenberg. Sie ist zudem Mitglied im Ausbildungskurs für ehrenamtliche Laien, der erstmals im Oktober 2018 startet und die bisherigen Lehrbriefe des Würzburger Fernkurs ablöst. Im Pastoralverbund Reckenberg gibt es schon mehrere sogenannte Laien, Gemeindereferenten und Ehrenamtliche, die sich für diese Aufgabe berufen fühlen. Neben Claudia Becker sind das noch ihre Kollegin Elisabeth Lengenfeld sowie der ehemalige Lehrer Josef Altemeier. Er ist der erste ehrenamtliche Laie. Susanne Jehn, Küsterin der St. Pius-Kirche Wiedenbrück, hat durch ihre Ausbildung zur Leiterin von Wortgottesfeiern auch Totengebete geführt. Dabei hat sie festgestellt, dass sie gerne Menschen begleitet und ihnen Trost und Mut zusprechen und Hoffnung geben kann. Sie bereitet sich gerade auf den Beerdigungsdienst über die Lehrbriefe des Würzburger Fernkurus vor. Nach Ostern, wenn sie das Material soweit gesichtet hat, möchte sie den Startschuss geben. Im Rahmen eines Abschlussgespräches, das auf einer fiktiven Traueransprache beruht, wird sie dann offiziell beauftragt. Alle drei Frauen sind sich einig, dass sie mit ganz viel Einfühlungsvermögen auf Menschen zugehen. Sie sehen sich auch nicht als Notnagel, weil immer weniger Geistliche immer mehr Beerdigungen durchführen müssen. „Ich sehe es eher als eine echte Chance für Menschen, die diese Berufung in sich tragen und diese Aufgabe übernehmen möchten“, so Claudia Becker. Sicherlich müsse man für diese nicht immer leichte Aufgabe innerlich stark sein, Gesprächskompetenz und Teamgeist besitzen und über eine gesunde psychische Belastbarkeit verfügen. Sie selber würde diese Tätigkeit, die sie nun schon seit einigen Jahren ausübt, als ein Geschenk sehen und eine Bereicherung der eigenen Lebenserfahrung. Dierkes wie auch Becker seien auch nie von Angehörigen schief angesehen worden, weil plötzlich statt des Pastors eine Frau vor der Tür dort stehe. Viele Angehörige würden sich sogar wohl fühlen, weil ein Stück Hemmschwelle genommen ist, wenn nicht sofort ein Pastor kommt. Beauftragt wird man zunächst für drei Jahre. Danach kann man immer noch entscheiden, ob die Tätigkeit die richtige ist. Auch die Häufigkeit der Dienste ist frei bestimmbar. Interessierte, die sich vorstellen könnten, als Laien Beerdigungen zu leiten, können sich an ihre Gemeinde wenden. Das Team des Pastoralen Raumes entscheidet dann, ob die Person die Voraussetzungen mitbringt.

W. Leskovsek Gemeindereferentin Eva-Maria Dierkes und Gemeindereferentin Claudia Becker sind bereits im Beerdigungsdienst involviert und haben schon viele durchweg positive Erfahrungen gemacht. Küsterin Susanne Jehn möchte auch bald starten. Das liturgische Gewand halten alle drei für sehr wichtig, um die nötige Distanz halten zu können. „Es darf einen berühren, aber nicht innerlich traurig machen“, sagen sie einstimmig.