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Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz im Dekanat Rietberg-Wiedenbrück

Ehrenamt wird anspruchsvoller und qualifizierter

Hohen Besuch gab es am Dienstag in Rheda-Wiedenbrück. Der neue Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz besuchte das Dekanat Rietberg-Wiedenbrück. Er hat sich vorgenommen, alle 19 Dekanate im Erzbistum Paderborn bis zum 2. Oktober 2024 zu besuchen. Ein strammes Programm, doch ihm ist es wichtig die ganz unterschiedlichen Dekanate und ihre Schwerpunkte kennenzulernen. Die erste Station der ganztägigen Reise war am Dienstag die Marienkirche St. Ursula in Wiedenbrück. Dort erwarteten den Bischof zahlreiche Pfarrer, Pastöre, Diakone, Gemeindereferenten und interessierte Bürger. Als Leiter des Dekanates Rietberg-Wiedenbrück begrüßte Pfarrer Thomas Hengstebeck den hohen Gast und meinte anerkennend, dass er ein enormes Tempo vorlegen würde. Er fand es sehr gut, dass sich der Bischof die Zeit nimmt, um nicht nur die Dekanate im Erzbistum kennenzulernen, sondern vielmehr auch die Menschen mit ihren Ideen und Projekten. Nur kurz begrüßte der Bischof die Anwesenden und machte deutlich, dass er gespannt sei auf die Begegnungen und die kleinen Randgespräche, die ihm am Ende des Tages stets sehr beeindrucken würden. Gemeindereferentin Jennifer Bochert aus dem Pastoralen Raum Rheda-Herzebrock-Clarholz moderierte die kurzweilige Stunde, die unter das Motto „Tradition und Neuanfang“ gestellt wurde. Sie riss kurz die wichtigen Traditionen im Dekanat an wie Erntedankumzug, Karneval und Schützenfeste oder auch die Kreuztracht in Wiedenbrück. Und schon war man beim empfindlichen Thema Immobilienprozess. Die Marienkirche steht kurz vor der Abgabe. Am 8. Dezember soll dort der letzte Gottesdienst gefeiert werden. „Das ist ein großer Schmerz bei den Frommen, die diese kleine Kirche für Gebete, Leid und Freud aufsuchen“, betonte Pfarrdechant Reinhard Edeler. Es sei kein spannender Prozess, sondern ein schmerzhafter. Der Immobilienprozess sei soweit abgeschlossen und nun unterschriftsreif. Dennoch würde sich eine Unsicherheit breit machen, denn sich von einer Wallfahrtskirche zu trennen, die seit 1644 zum Ortskern von Wiedenbrück gehört, fühle sich nicht richtig an. Edeler wünschte sich bei diesem besonders empfindlichen Thema etwas mehr Unterstützung aus Paderborn unabhängig von den Begleitern des Immobilienprozesses, die oftmals streng nach Vorgabenkatalog handeln würden und vielleicht auch müssten. „Ein wenig flexiblen Handlungsspielraum und Ausnahmelösungen für solche Objekte würde er sich wünschen. „Es ist und bleibt herausfordernd“, so der Dechant. Der Erzbischof suchte das Gespräch mit Verantwortlichen der Kloster Wiedenbrück eG, die die Kirche verantwortungsvoll übernehmen möchten, sofern es ein gutes Konzept gefunden wird. Bettina Windau, Heiner Wortmann und Georg Effertz erklärten, wie sie sich vorstellen können, die Marienkirche mit zu bespielen. Ein Jahr lang soll nun geschaut werden, was machbar und finanzierbar ist. Der Bischof machte deutlich, dass es wichtig sei, dass nur Menschen, die ein Gefühl für das Gotteshaus haben, da mitwirken könnten. Er zeigte sich sehr interessiert.

 

 

                                                                                                                       Die Reise mit dem Bus ging dann weiter zum Kloster Varensell, wo die Gruppe von den Ordensschwestern zum Mittagsessen empfangen wurde. Von dort aus ging es weiter zum Pastoralverbund Stockkämpen im nördlichen Teil des Dekanates. Auch dort hat man Wege gefunden, die Menschen weiterhin für die Kirche zu begeistern mit beispielsweise mit den Jugendgottesdiensten „Frommes und Pommes“.

Nach einem Gottesdienst in der St. Clemens Kirche in Rheda gab es einen Empfang im Domhof, zu dem 120 Ehrenamtliche aus dem Dekanat zugegen waren. Nach einem Flying Dinner und vielen kurzen Gesprächen moderierte Dekanatsreferent Matthias Stumpe eine kleine Fragerunde. Auf dem roten Sofa hatte der Erzbischof zusammen mit dem Generalvikar Thomas Dornseifer Platz genommen. Es wurden Fragen gestellt zu unterschiedlichen Themen. Warum es so wenig Unterstützung aus Paderborn für Ehrenamtliche gebe, fragte Gisela Ginten-Hoffmann vom Pfarrgemeinderat (PGR) aus Herzebrock-Clarholz. Sie wünscht sich mehr Rückhalt und Tipps, wie man Menschen begeistern kann im PGR mitzumachen. Brigitte Gnegel vom Kirchenvorstand St. Anna Verl meinte, dass die Strukturen der Kirche ihre Zeit und ihr Geld kosten würden. Sie wünschte sich, dass Ehrenamtliche auch Handwerkszeug wie Laptop und Software an die Hand bekommen um ihre Arbeit gut ausführen zu können. Gerda Schultefrankenfeld und Jana Heimeier aus Rheda-Wiedenbrück, St. Pius, erzählten von der Vesperkirche und der Kleiderkammer und dass sie dadurch auch junge Menschen in die Kirche geholt hätten als Besucher aber auch als Helfer. Zur Frage, wie die Kirche sich die Zukunft mit Ehrenamtlichen vorstelle, ergriff der Erzbischof das Wort und versprach, dass diese Gruppe keine Lückenbüßer für immer weniger Hauptamtliche werden dürfe. „Ehrenamt wird anspruchsvoller und qualifizierter“, betonte er und versprach, dass man das im Blick habe. Die Freiwilligen müssten geschult und ausgestattet werden. Es könne nur nicht alles sofort passieren.

Auch das Thema „Social Media“ sei immens wichtig und sollte auch in den kleinen Gemeinden Einzug halten, weil man über diese Kanäle die Menschen erreiche. Auch da versprach er Unterstützung, bevor er sich nach einem langen, informativen und sehr interessanten Tag auf den Rückweg macht, rund eine Stunde später als geplant.

W. Leskovsek